Christian Schulze (l.) und Lukas Fuchs freuten sich im Jahr 2015 schon auf das Whisky-Tasting mit ihrem selbst hergestellten Whisky. Fotos: Yvonne Berthiot, Copyright: Hochschule OWL.

Vor drei Jahren wurde an der Hochschule OWL zum ersten Mal Whisky gebrannt. Heute darf sich das Destillat endlich offiziell Whisky nennen und das möchte die Hochschule feiern: Die erste abgefüllte Flasche wird für einen guten Zweck versteigert. Vom 18. Oktober bis zum 1. November 2018 können alle Whiskyliebhaberinnen und Liebhaber mitbieten, das höchste Gebot gewinnt. Der Erlös geht an die Kindertagesstätte Paulinchen auf dem Kreativ Campus Detmold.

 

Der Angel‘s Share über dem Innovation Campus Lemgo der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, der traditionelle Tribut für einen guten Tropfen, ist verflogen. Insgesamt sind in den drei Jahren der Reifung ungefähr sechs Prozent des Volumens pro Fass durch die Wände verdunstet. „Natürlich ist aber noch genug übrig“, berichtet Christian Schulze lächelnd, Braumeister der Hochschule OWL und seit Tag eins am Whisky-Entstehungsprozess beteiligt. „Wir freuen uns sehr, dass unser erster Versuch so gut gelungen ist.

 

Deswegen möchten wir unseren ersten Whisky gern mit der Öffentlichkeit teilen. Ein guter Zweck, wie die Spende für das Paulinchen, ist da genau das Richtige“, sagt Professor Jan Schneider, Leiter der Getränketechnologie am Fachbereich Life Science Technologies und stellvertretender Leiter des Instituts für Lebensmitteltechnologie (ILT.NRW). Die Kindertagesstätte Paulinchen besteht seit rund 18 Jahren.

 

Kinder von Studierenden und Angestellten der Hochschule OWL sowie der Hochschule für Musik Detmold, die noch keinen Kindergartenanspruch haben, werden hier betreut. Vom 18. Oktober bis zum 1. November 2018 kann nun eine Flasche des Hochschul-Whisky mit dem Namen „Innovation Campus Lemgo Whisky Batch No. 1“ ersteigert werden. Es handelt sich dabei um einen Single Malt Whisky – damit bezeichnet man einen Whisky, der aus einer einzigen Brennerei stammt und zu 100 Prozent aus Gerstenmalz destilliert wird.

 

Der Whisky der Hochschule besteht dabei aus zwei Sorten, die miteinander veredelt wurden. Der eine Whisky ist goldgelb und im Geschmack kantig mit einem langen Abgang. Zudem besitzt er eine deutliche Fruchtnote nach Pflaume bzw. Trockenfrüchten. Der andere hat die Farbe von dunklem Bernstein und ist etwas komplexer und würziger. Die Eigenschaften der beiden Whiskys ergeben zusammen einen ausgewogenen Malt Whisky für Liebhaber.

 

Wie biete ich mit?

Das verbindliche Gebot wird per E-Mail an pressestelle@hs-owl.de abgegeben. Genannt werden müssen dabei Name, Kontaktdaten und Gebot. Selbstverständlich können Bieterinnen und Bieter mehrmals mitsteigern. Den Gebotsstand können sie auf www.hs-owl.de/whisky einsehen. Hier wird zweimal täglich, um 9.00  Uhr und um 16.00 Uhr, der anonymisierte Name des Höchstbietenden sowie das aktuell höchste Gebot veröffentlicht. Der oder die Höchstbietende nach Gebotsschluss (am 1. November 2018 um 0.00 Uhr) ersteigert den Whisky und wird im Anschluss über das weitere Vorgehen benachrichtigt.

 

Wie kam es zur ersten Flasche Hochschul-Whisky?

Mit dem Fachgebiet Getränketechnologie besitzt die Hochschule OWL ein Alleinstellungsmerkmal in NRW. Das Gebiet findet sich nicht nur im Fachbereich Life Science Technologies, sondern auch am In-Institut der Hochschule, dem ILT.NRW. In diesem Institut haben sich lebensmittelorientierte und forschungsaktive Hochschullehrende des Fachbereiches Life Science Technologies der Hochschule zusammengeschlossen, um u.a. durch intensivere Zusammenarbeit gemeinsame Themenfelder zu erschließen.

 

Auf die Idee Whisky zu brennen, kamen erstmals Beschäftigte des Fachgebiets Getränketechnologie, unter denen sich einige Whiskyliebhaberinnen und Liebhaber befinden. „Wir wollten gerne Mal Whisky machen“, erzählt Professor Jan Schneider. Gesagt, getan! Student Lukas Fuchs, damals noch Bachelorstudent der Lebensmitteltechnologie mit der Fachrichtung Getränketechnologie, der gerne eine produktbezogene Abschlussarbeit schreiben wollte, widmete sich dem Thema genauer.

 

Er thematisierte in seiner Bachelorarbeit den traditionellen Herstellungsprozess von Whisky im Vergleich zum an die Hochschule OWL angepassten Verfahren. „Wer brauen kann, der kann das Ergebnis auch brennen, und so kam uns die Idee, das Whisky-Brennen einmal auszuprobieren und wissenschaftlich zu begleiten“, erklärt Schulze.

 

Bei der Whiskyherstellung wurde zunächst Getreide geschrotet und mit Wasser vermischt. Daraufhin wurde das Ganze bei verschiedenen Temperaturen erhitzt, damit die in der Masse enthaltenen Enzyme begannen zu arbeiten und Stärke zu Zucker umgewandelt wurde, um eine alkoholische Gärung zu erzeugen. Die Masse kam dann in einen Läuterbottich, eine Art großes Sieb. Die so entstandene Würze wurde daraufhin runtergekühlt und mit Hefe versetzt und vergoren.

 

Diese Maische war der Grundbestandteil für die nachfolgende Destillation und den Brennstart. Das Ganze kam dann in die Brennblase, wo durch die Destillation Alkohol und Aromastoffe abgetrennt wurden: Der Raubrand entstand, der daraufhin in einer zweiten Destillation weiter verfeinert und aufkonzentriert wurde. Der so produzierte Feinbrand wurde mit etwas Wasser auf 65 Alkohol Volumenprozent verdünnt und Eichenfässer zur Reifung gefüllt.

 

Was ist in den drei Jahren mit dem Destillat in den Eichenfässern passiert?

Der Alkohol sorgte dafür, dass Farb- und Aromastoffe aus dem Fass gezogen wurden. Feinbrand ist relativ geschmacksneutral. In den Fässern der Hochschule war vorher Cognac und Bourbon, die ihre Aromen im Laufe der Zeit an den Feinbrand abgaben. Über die Fasswände verdunstete Wasser und Alkohol und es drang Sauerstoff aus der Luft ein, so dass Oxidationsprozesse in Gang gesetzt wurden. Sauerstoff und Aromastoffe reagierten dabei miteinander und so bildete sich der typische Geschmack.

Text: Yvonne Berthiot.