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Roland Koch mit IHK-Präsident Ernst-Michael Hasse (r.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Axel Martens Foto: IHK Lippe

James Bond genießt seinen Martini stets geschüttelt, nicht gerührt. Roland Koch fühlt sich derzeit ähnlich durchgeschüttelt, weniger von kultigen Drinks, mehr vom Tempo der Globalisierung. Der ehemalige hessische Ministerpräsident war Gast beim Parlamentarischen Abend der IHK in Detmold. Sein Fazit: „Das Umfeld wird unsicherer, aber ich bin optimistisch.“

 

Koch, derzeit im Aufsichtsrat des Telefongiganten Vodafone tätig, hatte sich bekanntlich 2010 aus der Politik zurück gezogen und war in den Vorstand von Bilfinger Berger und somit an die Spitze eines Großkonzerns gewechselt. Kein Wunder also, dass IHK-Präsident Ernst-Michael Hasse ihn als kompetenten Gast am Rednerpult ankündigte. Hasse in Anspielung auf die erfolgreiche Standortkampagne der vergangenen Monate: „„Lippe hat keine Sterne-Küche, aber einen fähigen Koch wissen wir zu schätzen.“  Voll besetzte Ränge erlebten den 57-Jährigen aus Hessen als eloquenten und substanziellen Kenner von wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen. Dort, wo manch ein Redner das Auditorium mit Phrasen und Allgemeinplätzen zurücklässt, fand Koch eine Lücke, um sogar den Kontext von lippischen Schuhen und der Weltwirtschaft zu erklären.

 

Das Motto des Abends – „Die Welt außer Rand und Band – können wir dennoch wirtschaftlich optimistisch sein?“ – bewertete der Jurist mit einem eindeutigen „Ja“ – und zwar in beiderlei Hinsicht. Koch mahnte in einer Welt der zunehmenden Komplexität die Verantwortung der Wirtschaft, sah aber den Willen der emporsteigenden Länder im Osten (China, Indien) nach mehr Wohlstand eher als Chance, denn als Risiko für den Westen. Indes, flexibel müssten die Wirtschaft und ihre Protagonisten bleiben. Koch: „Wir leben in einer Welt, in der alle Entscheidungen und die Folgen sofort online zu verfolgen sind.“ Dieses Tempo gelte es zu beachten.

 

Kritisch und ebenso verständlich stufte der frühere Ministerpräsident die zunehmende Skepsis an der Marktwirtschaft ein. Erfolge von Anhängern einer größeren Kontrolle und Staatsquote – wie bei den Vorwahlen in den USA oder in England – sah Koch als Spätfolge der Finanzkrise von 2008. Damals wurden bekanntlich mit Steuermilliarden Banken gerettet, heute – so Koch – müssten Bürgermeister den Wählern erklären, das kein Geld für die Freibadsanierung vorhanden sei. Unterm Strich könne die deutsche Wirtschaft trotz der Wirrungen in Zeiten der Flüchtlingskrise optimistisch nach vorn schauen. Koch: „Die Menschen sind in Deutschland am besten ausgebildet. In Amerika sagt jemand, er sei Elektriker, in Deutschland wissen Sie, dass es so ist.“ Und die deutsche Wirtschaft, insbesondere der Mittelstand, lasse sich dieses Niveau jedes Jahr auch etwas kosten. Die Wohlstandswünsche aus China beispielsweise machen ihm keine Angst. Schuhe, so Koch, die es ja auch aus Detmold gebe, bräuchten die Chinesen mehr von uns als wir jemals von ihnen importieren würden. Allenfalls ein Übermaß von Regulierungsinitiativen könne „störend“ auf die Herausforderungen der Wirtschaft wirken. Bei diesem Aspekt sah sich Koch auf Augenhöhe mit Hasse, der in seinen einführenden Worten ebenfalls anmahnte, die Politik möge auf Sonntagsreden (Stichwort: Erbschaftssteuer) verzichten, die dann am Montag dem Alltag nicht standhalten würden. Hasse: „Beschränkungen bei Zeitarbeit und Werkverträgen sind Wachstumsbremsen.“ Applaus für Hasse und Applaus für Kochs Fazit „Die Probleme sind zu lösen“ waren die Folge.  Applaus, den IHK-Hauptgeschäftsführer Axel Martens mit den Worten subsummierte: „Wir benötigen bisweilen Orientierung, die hat Roland Koch uns aufgezeigt.“

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